18.10.-19.10. | In gewohnt schweizerischer Manier fahren wir mit reichlich Zeitreserve ab Richtung Hafen von Ancona. Zwei Stunden vor Abfahrt können wir die Tickets abholen am Check-In Schalter. So hiess es in der Mail vom Reisebüro Acropolis. Solche Situationen machen mich absolut nervös. Wo muss ich die Tickets holen? Hat alles geklappt mit dem Reisebüro? Wo müssen wir danach auf die Fähre? Wie wissen die dass wir «Camping on Board» gebucht haben? Ja da kann ich mich gut reinsteigern. Jetzt sind wir aber erst auf dem Weg zum Hafen. Und auf diesem möchten wir noch Brot und Wasser kaufen. Wie genügsam, könnte man denken. Weit gefehlt. Perfekt durchstrukturiert bereiteten wir am Vorabend die Speisen für die 25-stündige Überfahrt. Pastasalat und Chicken-Wraps steht auf dem Menuplan der Luxuskabine. Die besteht übrigens aus unserem Hörby. Gewisse Fährenbetreiber bieten an auf See im eigenen Camper zu übernachten, anstelle einer Kabine. Man darf allerdings kein Gas benutzen. Deswegen das Vorgekoche. Und wir wären ja keine Camper wenn wir nicht auch da unser eigenes Essen mitbrächten und auf alles vorbereitet wären. Unterwegs zum Hafen entdecke ich im letzten Moment eine Paneteria am Strassenrand. Bitte wenden. So, das Brot hätten wir. Ein Stück weiter die Strasse hinunter taucht auch noch ein Supermarkt auf. Ich steuere den Parkplatz an und mache mich mit Finn auf den Weg zum Einkauf. Wasser brauchen wir. Mal sehen was es sonst noch hat. Der Supermarkt ist riesig. Ich verliere mich zwischen all den Regalen. Unterhosen bräuchte ich noch. Sind die aus Baumwolle? Ah Carina braucht ja auch noch welche. Hmm, wo steht denn da die Grösse? So ein Sprützi fürs Klo wollte ich doch noch. Ohne Unterhosen dafür mit Wasser, Windeln und einem verschliessbaren Abfalleimer kommen wir bei Carina und Paula an. Erstere schaut auf unseren Einkauf und fragt «Wo wart ihr so lange?» «Ich hab einen Abfalleimer gefunden», sage ich stolz und zeige ihr unsere Beute. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Denn wir waren für dies Schätze fast eine dreiviertel Stunde im Laden. Beim Bunkern der Wasservorräte schaffe ich es doch tatsächlich eine Flasche aufzuspiessen. Ein Schlitz mitten in der Flasche. Der Boden ist nun auch schon feucht aufgenommen. Nach viel Gefluche, weil ich beim retten des Wassers auch noch mir eine Dusche gönnte, geht es weiter Richtung Hafen. Die Navigation verläuft einwandfrei, was zwischenzeitlich meinen Puls sinken lässt. Beim Check-In-Gelände angekommen bin ich natürlich überfordert welchen dieser unzähligen freien Parkplätze ich nehmen soll. »Ist doch egal», meint Carina. Durch meine Unfähigkeit mich zu entscheiden stehe ich mittlerweile in der hintersten Ecke des Platzes. Kurzer Fussmarsch zum Schalter. Carina, Finn und Paula bleiben im Hörby zurück und eröffnen schon mal das Mittagsbuffet. Nachdem ich vom falschen zum richtigen Schalter gewiesen wurde, zeige ich hoffnungsvoll die Bestätigung auf meinem Handy. Die Dame schaut mich mit dämmrigen Blick an.»Passport». Ich breite ihr vier nagelneue IDs aus und erinnere mich dabei an den  witzigen Termin beim Passbüro. Ohne eine Spur von Hektik tippt sie auf der Tastatur herum. Ein paar Minuten später gehe beschwingt Richtung Hörby. In meiner Hand vier Tickets, ein Wimpel auf dem Patras steht und eine Karte auf dem Camping on Board steht. Das Mittagessen ist schon im vollen Gange. Finn sitzt auf seinem Stuhl und mampft Philadelphia-Brötli und Prosciutto. Hungrig verschlinge ich auch zwei, drei Stück. Die Nervosität ist auf dem Höhepunkt. «Wann ist Boarding?» fragt Carina. Mist, weiss ich nicht. Habe ich nicht gefragt. «Keine Ahnung, lass uns jetzt fahren», schnauze ich. «Nein, Finn ist noch am Essen», entgegnet Carina. Es treibt mich fast in den Wahnsinn wie Finn summend dasitzt und genüsslich und in aller Seelenruhe in seinem Teller rumwühlt. Tiefe Atemzüge in den Bauch runter. Ich schaue nach vorn aus der Windschutzscheibe. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir startklar und rollen zur Fähre. Beinahe fahre ich am Zöllner vorbei der unsere Tickets sehen will. Wie ein Bekloppter zeige ich allen unser Camping on Board Schild. Der Patras Wimpel baumelt am Rückspiegel. Wir werden überall durchgewunken. Nun ist es soweit. Carina filmt den magischen Moment wie wir in den Bauch der Fähre einfahren. Mit glasigen Augen lassen wir uns auf dem Deck einweisen. Umringt von etwa zehn anderen Camper steht nun unser Hörby auf diesem riesigen Schiff. Wir haben es geschafft. Erleichtert und voller Neugier machen wir uns auf um das Schiff zu erkunden. Finn schärfen wir ein, dass er immer bei uns bleiben muss. Auf Deck herrscht sogar Handhalten-Pflicht. Beeindruckt schaut er den Lastwagen beim einparkieren zu. «Stoooopp!» ruft er auch aus voller Kehle. Die geübten Fähreleute scheint dies nicht zu beirren. Ohnehin ist es mächtig laut auf dem Dampfer. Paula stemmt sich mit beiden Händen gegen das Tragetuch. Sie will mit dabei sein und nichts verpassen. Im Treppenhaus wimmelt es von aufgepeitschten Teenager. Irgendeine italienische Abschlussklasse die ihre baldige Freiheit in Griechenland feiern möchte. Die Mädchen schmelzen reihenweise dahin beim Anblick von Finn. Er ist sich seiner Wirkung bewusst und geniesst es sichtlich. So ein Casanova.
Irgendwann sind wir gefühlt das gesamte Schiff abgelaufen. Hinten rausgeschaut. Vorne rausgeschaut. Enttäuscht stehen wir vor der «Children Playing Lounge». Diese Spielecke besteht aus sechs kleinen Plastikstühlen und einem Tisch. Mittlerweile ist es 14:00Uhr. Das merken wir weil Finn destruktiv das Inventar der Children Playing Lounge durch die Luft wirbelt. Zeit für ein Mittagschlaf. Ich lege mich mit Finn hinten aufs Bett. Zum Glück können wir uns einfach in unser rollendes Häuschen zurückziehen. Es dauert allerdings eine ganze Weile bis Finn den Schlaf findet. Ist ja auch verständlich bei der Aufregung. Als ich wieder nach vorne komme, haben wir bereits abgelegt und befinden uns mitten auf dem Meer.
Müde von dem ereignisreichen Tag und geschaukelt durch den Wellengang vom Mittelmeer fallen wir am Abend alle vier schon bald in einen tiefen Schlaf.
Am nächsten morgen verschlafen wir das An- und Ablegen in Igoumenitsa. Erst als wir aufstehen und frühstücken, sehen wir, dass uns einige unserer Nachbarn bereits verlassen haben. Finn spielt nach dem Zmorge mit seinen Autos. Ich habe das Gefühl er ist jetzt so richtig angekommen in seinem neuen Zuhause. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen uns fast beeilen, dass wir nicht das Einlaufen in den Hafen von Patras verpassen. Zusammen stehen wir vorne am Schiff und schauen neugierig auf das Stück Land was in der nächsten Zeit unsere Heimat werden soll. «Please proceed to your vehicle» klingt es aus dem Lautsprecher und wir gehorchen. Eine halbe Stunde später folgt ein weiterer grosser Moment. Hörby berührt zum ersten Mal griechischen Boden. «ProjectGreece» ist nun tatsächlich Wirklichkeit geworden.