29.11.- 05.12.| Nach unserer Daumenumrundung mit Karin&Hellmut spricht Finn mittlerweile Hochdeutsch. Wörter wie «mitkommen» oder «ässen» sind an der Tagesordnung. Also meistens fügt er die Endung «-en» seinen ihm bekannten Wörter hinzu. So freut es uns treffen wir auf dem Campingplatz in Drepano auf eine Familie aus dem Kanton Schwyz. Sie reisen in ihrem selbstumgebauten Bus zusammen mit der dreijährigen Tochter Ida. Die Freude wird noch grösser als sie uns erzählen, es naht eine weitere Schweizerfamilie mit drei Kinder. Zürcher die in einem Lastwagen unterwegs seien. Wir sind gespannt. Gleich bei der Zufahrt hat es eine verlassene Bar, die Finn schon länger als sein Spielplatz auserkoren hat. Hier stehen wir als sich plötzlich der Himmel verdunkelt. Also gut, ganz so dramatisch war es nicht. Aber diese Zürcher scheinen tatsächlich mit einem echten 10 Meter langen und 16 Tonnen schweren Lastwagen zu reisen. Dieser schiebt sich gemächlich an unseren staunenden Mäuler vorbei. Darin sitzen Lorenz und Kathi mit ihren Kinder Oskar(5), Alma(3) und Selma(6Mt). Eine halbe Stunde später sausen Finn, Ida, Oskar und Alma auf ihren Velos durch die Bar und wir geniessen die schweizerdeutsche Unterhaltung. Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Wir sind glücklich für Finn, dass er so viele neue Freunde hat. Als jüngster auf zwei Beinen ist er in der Velogang auch echt gefordert. In diesen Tagen beschliessen wir auf den Mittagsschlaf zu verzichten. Über eine Stunde verbringen wir jeweils damit, ihn zum Schlafen zu bringen. Wenn er dann mal schläft, will er nicht mehr aufwachen. Spätestens um halb vier, vier wecken wir ihn dann. Mindestens eine Stunde dauert es hinterher bis er wieder voll im Strumpf ist. Ihn nun für dieses Theater aus dem Spiel mit seinen Freunden zu holen, das muss doch nicht sein, finden wir. Das Beste das wir machen konnten. Vielleicht gibt es mal eine kleine Krise nach dem Mittagessen oder vor dem Abendessen. Aber die ist mit dem gebotenen Unterhaltungsprogram schnell überwunden. Glücklich und hundemüde schläft er am Abend nicht selten innert zehn Minuten ein.
Heute geht es auf nach Korinth. Da treffen wir auf unsere Herzensglaxie Androliver. Andrea&Oli reisen von Kos in die Schweiz. Von der einen Fähre zur anderen fahren sie mit ihrem selbstausgebauten Büssli Peacecheese von Athen nach Patras. Auf dieser Etappe zwischen den beiden Fähren haben wir uns in Korinth verabredet. Dazu verabschieden wir uns von unseren neuen Bekanntschaften. «Gute Heimreise» wünscht man den Einen oder «Wer weiss vielleicht treffen wir uns ja wieder» den Anderen. Wie recht wir mit dieser Aussage haben, wissen wir da noch nicht. Voller Vorfreude düsen wir mit Hörby gen Norden. Paula macht es ja echt schon viel besser mit dem Autofahren. Heute geht es aber wiedermal nicht voran. Anhalten, trinken, weiterfahren, anhalten, Windeln wechseln, weiterfahren. Schon wieder schreit das kleine Stimmchen aus Leibeskräften. Wir halten. Ob ihr es glaubt oder nicht, auch so kommt man irgendwann mal an. Auf dem Campingstopp im alten Korinth haben Andrea&Oli bereits ein Plätzchen ergattert und wir stellen uns daneben. Es ist so schön so enge Freunde zu treffen. Fast ein bisschen surreal. In der Nachmittagssonne sitzen wir zusammen auf der Wolldecke und berichten von Erlebtem und Gefühltem. Finn verdrückt dabei mindestens fünf «Manderindäli». Es hat ja genug. Zum Abschied kriegten wir von der Putzfrau einen riesigen Sack mit den süssen Früchten. Ich war nie ein grosser Manderindli-Fan. Aber diese reifen Dinger vom Baum in den Mund, eine Wucht!
Andrea&Oli werden Zeuge vom grössten Schreckmoment in Finns und unserem Leben. Im kleinen Örtchen Alt-Korinth essen wir draussen in einem Restaurant zu Mittag. Finn hat irgendwann genug gesehen vom Tisch und fängt an sich zu bewegen. Wir befinden uns in einer Art Fussgängerzone. Ab und zu fährt langsam ein Auto zwischen den Restaurants und den kleinen Läden hindurch. Finn findet Gefallen an der Werbetafel des gegenüberliegenden Restaurants. Da kann man so schön unten durch wandern und Häuschen spielen. Carina ist am Stillen und Ich beschwere mich ungerechterweise darüber wie anstrengend es mit Finn im Restaurant ist. Beide sehen das herannahende Auto erst nicht. Plötzlich sehen wir es doch. Finn der eigentlich alles richtig macht und an der Seite steht, wird nun von unserem hektischen Rufen verängstigt. Was möchte ein Kind wenn es Angst hat? Genau, zu Mami und Dädi. Er rennt los. Carina schreit. Der Kellner vom gegenüberliegenden Restaurant schreit ebenfalls. Jeder der in dieser Situation Hände hat, reisst sie in die Höhe. Das Auto kommt mit einem Ruck zum Stehen. Die Fahrerin legt ihre Stirn aufs Lenkrad welches sie mit beiden Händen fest umklammert. Ich renne rüber zu Finn. Der sitzt auf dem Boden und weint. Vermutlich ist er seitlich gegen das Auto gelaufen. Ich nehme ihn hoch und gehe zur Fahrerin. Die Sprachbarriere verhindert eine angemessene Entschuldigung. Nachdem sie sich dreimal bekreuzigt hat, fährt sie davon. Gerade nochmal gut gegangen. Der Schreck sitzt tief. Auch jetzt noch wenn ich diese Zeilen schreibe. Manchmal braucht es gute Schutzengel. Wir haben die Besten. Ich bin ihnen unendlich dankbar.
Akrokorinth, heisst die Burg, die auf einem Hügel über Korinth thront. Hierhin zog man sich bei einem Piratenangriff zurück, lernen wir. Man kann herrlich über das Gelände wandern. Schon bald erklingt jedoch eine Sirene wie man sie sonst nur aus Nati-Dokumentationen kennt. Feierabend. Wie gut dass wir unsere Betten dabei haben. Mit Aussicht auf den Golf von Korinth lassen wir den Abend ausklingen und planen einen erneuten Burgsturm für den nächsten Tag. Sobald die Kinder schlafen widmen wir uns einer neuen Sucht. Cambio heisst das Spiel, in welches Oli&Andrea uns einweihen. Bis spät in die Nacht sind wir lautstark dabei. Andrea fragt irgendwann mal: «Ist das nicht ein bisschen zu laut?» Tatsächlich schläft Finn zusammen mit Paula hinter gezogenem Vorhang auf dem hinteren Bett ohne sich an unserem Spielgeschrei zu stören. Danke ihr lieben Kinder.
Wiedermal heisst es Abschiednehmen. Mit unseren lieben Freunde haben wir kurze, intensive Tage verbracht. Finn genoss es mit Andrea eine geduldige Spielpartnerin zu haben. Mit Oli planten wir einen Überraschungsbrunch. Zu Andreas Geburtstag gab es ausnahmsweise nicht Kuchen sondern Brot. Die vielen Reisebekanntschaften sind wirklich ein Geschenk. Einige Tage mit Menschen zu verbringen mit denen man schon so viel teilt, ist einfach nochmal eine ganz andere Liga. Vielen Dank für euren Besuch lieber Oli und liebe Andrea.










Wörd mengisch am liebschte chli zo euch ene höckle ond loh verzelle. Aber lese esch halt au extrem spannend. Hends guet ond hend Sorg.
Anita
Ja äs Lagerfyyr und äs paar guäti Gschichtä wurdi miär ai gfallä.
Liäbi Griäss
Es sind die echt wertvollen Zeiten, wenn sich 2-3 Tage nachträglich wie Wochen anfühlen. Das waren wunderbare Tage, danke dass ihr die Zeit mit uns geteilt habt!
Wunderschön gesagt! Danke für diese treffenden Worte.
Geile blögster!