23.11.-28.11.| Raus aus dem Campingplatz und rein ins Abenteuer. Es fühlt sich richtig gut an wieder unterwegs zu sein. Wir haben vor, den Daumen, der östlichste Zipfel vom Peloponnes zu umrunden. Die Fahrt in Richtung Porto Heli ist atemberaubend schön. Eine Küstenstrasse die sich dann bis über einen Pass windet und später wieder runter zum Meer führt. «Hier würde ich jetzt auch wiedermal fahren», meint Carina vom Rücksitz. Letztlich musste ich sie doch etwas dazu überreden, was sie mir aber gleich verdankte. Ich geniesse es mal nicht auf Schlaglöcher oder Ziegen achten zu müssen. So tuckern wir durch diese idyllische Landschaft. Unser Nachtlager liegt etwas abseits der Hauptstrasse. Genauer gesagt holpern wir etwa eine Viertelstunde über eine Schotterpiste und Carina gibt sich alle Mühe den Olivenbäumen auszuweichen, welche weit in die Strasse reichen. Die Belohnung ist ein ruhiges Plätzchen neben einer Kirche mitten in einem Olivenhain. Finn ist ausgeschlafen und bereit die Gegend zu erkunden. Aus dem kurzen Abendspaziergang wird eine stündige Wanderung. Wir durchschreiten eine Schlucht. Die Felsen leuchten rot in der Abendsonne. Es tut gut sich wiedermal zu bewegen. Dieses Freie Stehen fühlt sich auch einfach immer mehr nach Abenteuer an als die Zeit auf dem Campingplatz. Draussen ist es mittlerweile dunkel. Weit und breit keine Menschenseele. Nur wir Vier in unserem Hörby. Ein Gefühl von Gemütlichkeit und Einfachheit, wie ich es sonst nur aus Berghütten kenne.
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Porto Heli. Unterwegs müssen wir dringend unseren Wassertank füllen. An einer Tankstelle können wir das dann auch. Wenn wir hier schon halten füllen wir doch gleich noch unseren Gastank auf. Die Tankwartin fragt mürrisch: «Can you pull it out?» Ich kann und sieh steckt die Zapf-Pistole drauf. Bei der letzten Füllung hats ganz schön gezischt, ja fast geknallt, beim Lösen der Pistole. Der Tankwart hat mich damals etwas erschrocken angekuckt. Gentlemen der ich bin, sage ich der Tankwartin «It can make a little BOFFF at the end» mit dazu passender Handgeste. Sieh schaut mir in die Augen, reisst dabei mit einem lauten ZISCHHHH die Zapf-Pistole vom Tank und sagt kalt «It does that allways.»
Beschämt über meinen angeblichen Machoauftritt fahren wir weiter und erreichen bald die Hafenstadt Porto Heli. Abends gehen wir in eine Taverne essen und lassen die Fussball WM unsere Kinder hypnotisieren. Finn kriegt Dolmades aufs Haus und zum Schluss auch noch ein Dessert spendiert. Die Griechen sind alle vernarrt in die kleinen Geschöpfe. Carina lässt sich vom Wirt noch versichern, dass es sicher ist am Hafen zu übernachten. Es ist sicher. Sicher laut, hätte er sagen sollen. Pubertierende Teenies rasen mit ihren Rollern hin und her und beeindrucken ihre hysterisch kichernden Damen. Wow, ich klinge wiedermal sehr bünzlig. Eigentlich ist alles halb so schlimm und irgendwann fallen wir alle in einen sanften Schlaf.
Der Auftritt des Tages gelingt diesmal Carina. Nach dem Frühstück macht sie die Küche sauber. Zuletzt hat es noch das Schneidbrett mit allen Brotbrösmeli drauf. Sie macht die Tür auf und entleert dieses mit einer schwungvollen Handbewegung über das Trottoir. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht die Putzequipe vom Hafen, die sich nach getaner Arbeit auf ihre Besen stützen und noch einen Schwatz halten. Timing ist manchmal eben auch Glücksache. Die Scham zwingt Carina fast in die Knie.
In Porto Heli stossen wir in einer verwinkelten Gasse auf ein Töpferatelier. Makis zeigt uns stolz seine Werke. Geschirr welches er für gut betuchte Familien herstellt. Wir sind auf der Suche nach Müeslischalen. Er könne uns welche machen meint er. 20 Euro das Stück. Einen Monat habe er aber mindestens dafür. Kein Problem sagen wir und er notiert sich unsere Farbwünsche. Wir sollen uns per Mail an ihn wenden. Seine Frau mache das Büro. Leider werden wir nie wieder etwas hören von Makis und unseren Müeslischalen.
Für die kommende Nacht haben wir uns einen echten Insta-Spot ausgesucht. An einer ruhigen Küstenstrasse gelegen. Ein kleines Stück Land, dass neben einer Kirche ins Meer hinausragt. Hier sind wir verabredet mit Hellmut & Karin. Die beiden Norddeutschen haben wir ihn Drepano auf dem Camping kennenglernt. Hellmut, Neil Young der Nordsee, schafft es mit Gitarre und Gesang die kitschige Abendstimmung noch kitschiger zu machen. Der pensionierte Sozialarbeiter berührt uns mit seinem warmen Wesen. Sein Name sei das Gegenteil von Dunkelangst und so gehe er auch durchs Leben. Karin nimmt sich Zeit für Finn und malt geduldig noch ein Herz und noch ein Herz. Wir geniessen die Zeit mit ihnen und profitieren von ihrem Wissen über die griechische Mythologie und Griechenland überhaupt. In Momenten wie diesen stelle ich fest, wie wenig ich über das Land weiss. Da bin ich nun, der Tourist, der von Camping zu Camping gondelt. Gesprochen wird Englisch. Foto machen und weiter. Ganz so schlimm ist es ja nicht. Aber meinen Vorsätzen für diese Reise konnte ich noch nicht gerecht werden. Mit zwei Kinder fehlt es oft auch einfach an Kapazität.
Frühmorgens am nächsten Tag höre ich draussen Autos und Stimmen. Ich wage ein Blick hinaus auf den Parkplatz und sehe erste parkende Autos und Leute die sich um die Kirche versammeln. Schon ist Hellmut bei uns an der Tür. «Lasst uns abhauen wir blockieren den Parkplatz der Kirche.» Eine Viertelstunde später sind wir auf der Strasse. Die Kinder stecken noch in den Pyjamas. Auch das geht. Mit den beiden deutschen Hippies nächtigen wir an diesem Abend auf einem verlassenem Campingplatz. Finn findet eine Flaschenpost von Pirat Nico aus der Schweiz. Den angeblich vergrabenen Schatz haben wir leider nicht gefunden. Dem Piraten wird natürlich eine Postkarte mit Beweisbild und Koordinaten des Fundortes zugeschickt.
Weiter geht’s nach Epidaurus. Eine riesige Ausgrabung einer einstigen Heilstädte. Dazu gehört ein Amphitheater für 14’000 Besucherinnen. Die Akustik, wenn man auf einem bestimmten Punkt auf der Bühne steht, haut einem echt um. Man sagt, man kann in den obersten Rängen eine Münze fallen hören. Hellmut stimmt Doolin Dalton von den Eagles auf der Mundharmonika an. «Please Sir, no music.» Eine Aufpasserin ist sofort zur Stelle. Alle sind sichtlich enttäuscht. Auf den untersten Stufen knabbern wir ein paar Cracker und trinken Fruchtsaft aus Pappbecher. «Please, no food here.» Die sind aber auch strikt hier. Wir wandern noch etwas auf dem Gelände herum. Bald lassen wir uns vom Wind und einsetzendem Regen in die Autos treiben. Nach den paar Tagen Frei Stehen haben alle Lust auf die tollen Marmorduschen in Drepano. Der Campingplatz ist nur eine gute halbe Stunde entfernt. So sind die Touristen nach sechs Tagen Rundreise wieder zurück wo sie einst herkamen und wohl auch hingehören.
Dankä für dä luschtig und spannend Blog
Ganz liebi Griässli
Muetti
Sehr gärn. Es sett ez de wieder chli meh zum läsä gä in nechschter Zyyt.
Ganze liäbi Grüäss vo Kreta
Hallo ihr Lieben
Schön hast du mit dem WhatsApp-Status aufmerksam gemacht, dass es wieder Witziges zu lesen gibt von eurer Reise. Gute Idee übrigens👌
Das Schreiben machst du wirklich gut.
Hat einmal mehr Spass gemacht.
Weiterhin viel Interessantes, Neues, Witziges usw. wünsche ich euch.
Freue mich schon auf den nächsten Beitrag.
Hallo Anita
Danke für die lieben Worte.
Wenn die zeitlichen Abstände der Beiträge kürzer wären, könnte ich mir die Erinnerung sparen. Mal schauen wie lange es diesmal dauert.
Liebe Grüsse an dich und die Familie
Ich würde sagen – Geniesst es besser.
Ist zwar sehr amüsant und toll euch ein bisschen zu begleiten, aber es ist halt immer mit dem Druck zu schreiben verbunden.
💋an die ganze süsse Familie