Am 13.Oktober 2022 ist es soweit. Der Moment ist gekommen, wo wir losfahren und unser gewohntes Leben hinter uns lassen. Woher kommt es eigentlich, dieses Fernweh? Dieser Wunsch aufzubrechen nach unbekannten Ufern? Ich glaube eine einzige Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. In unserem Fall ist es die Lust auf Neues, die Freude am einfachen Campingalltag und der Wille ganz intensiv Zeit als Familie zu verbringen. Die Idee für dieses Abenteuer reifte über einen langen Zeitraum. Initiiert wurde das Ganze mit unserer Reise nach Peru im Dezember 2019. Wir genossen es, Alles was man braucht zum Leben in einem Rucksack zu haben. Schon unterwegs wurde unsere dreieinhalb Zimmer Wohnung, für die wir fast 2500.- Miete bezahlten, zur Belastung. In einem Zimmer stand nur Krempel. Das, was mal als Büro gedacht war, wurde zusehends zur Abstellkammer. Der Entschluss stand fest: Wir verkleinern uns! Die Wohnung wurde kleiner und Carinas Bauch grösser. Im Winter 2020 kam unser Sohn Finn zur Welt. Alles war bereit für die Abreise im Frühling. Doch das Leben hatte erst noch etwas anderes mit uns vor. Carina kriegte ein Angebot an der FMZ zu unterrichten. Ein solches Angebot wollten wir nicht ablehnen. Für Carina war es eine Möglichkeit «Schulluft» zu schnuppern. Omi und Grossmuetti freuten sich jeweils einen Tag mit Finn zu verbringen. Ein Schuljahr dauert bekanntlich bis anfangs Sommer. Das Abreisedatum verschoben wir also auf Sommer 2022. Ende 2021 entschied sich Paula den Weg in unser Leben zu machen. Im August sollen wir sie zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Gut, dachten wir, dann gönnen wir Ihr und Uns einen entspannten Start ins Leben und reisen erst im Oktober ab. Dies war die Geburtsstunde von «ProjectGreece». Ursprünglich sollte unsere Reise in den hohen Norden gehen. Mit einem Zweijährigen und einem Neugeborenen gibt es aber entspannteres als im Herbst in den dunklen, kalten Norden aufzubrechen. Wir entschieden uns für Griechenland. Unser Camper Hörby haben wir im Frühjahr 2021, während einer Reise nach Portugal, auf Herz und Nieren getestet. Daraus entstand eine Todo-Liste über 30 Punkte die es noch zu verbessern gab. Von kleinen Dingen wie den Teppich im Führerhaus neu kleben, bis Solarpanel installieren. Ausserdem wollten wir unseren gesamten Hausstand auflösen. Fleissig stellten wir alles was man verkaufen konnte auf Tutti. Vieles haben wir verquantet. Das heisst zur Benutzung ausgeliehen. Auch am Flohmarkt priesen wir die Schätze an, die unser Kleiderschrank zu bieten hatte. Das Alles dauerte über ein halbes Jahr. Am Ende waren wir froh darüber, einige Kisten bei meinen lieben Schwiegereltern Emma und Zdenko und unseren lieben Familie Huber unterzubringen.

Übrigens: Ich versuche euch, meinen Leserinnen, irgendwie einen Rahmen zu schaffen und halbwegs interessant und spannend zu schreiben. Während ich diese Zeilen in die Tastatur tippe, merke ich, dass das mit dem Schreiben gar nicht so einfach ist. Habt also Spass daran meine Lernkurve mitzuerleben.

Zwei Wochen vor Abreise sitzen wir am Tisch in der Wohnung von unserem lieben Peter. Gemeinsam geniesst die gesamte Wohnungsputztruppe ein köstliches Mittagessen. Felchen und Eglichnusperli aus dem Lungerersee. Bei dieser Gaumenfreude kommt uns eine erschreckende Erkenntnis. Vor lauter Abschiedstreffen kommen wir in den nächsten Tagen gar nicht zum packen. «Ach, das geht dann schon irgendwie», beruhigen wir uns. Es geht eben nicht. Zumindest nicht auf diesen Zeitpunkt den wir in unsere Köpfe gesetzt haben. Loslassen ist angesagt. Wäre ja blöd ausgerechnet jetzt in Hektik zu verfallen. Wo wir doch das erste Mal keiner geregelten Arbeit mehr nachkommen müssen Wir dürfen nach geräumter Wohnung bis zu unserer Abreise bei Peter unterkommen. Das erleichtert uns das Leben ungemein. Von der Wohnung direkt in den Camper zu ziehen wäre wirklich mehr als ein Kraftakt gewesen. Peter dir sind wir dafür unglaublich dankbar. Überhaupt sind wir umgeben von Leuten die uns mit bedingungsloser Liebe tragen. All die Stunden die uns unsere lieben Mütter den Rücken freihielten. Engste Freunde die uns beim Abgeben der Wohnung und Loswerden des Hausstands beiseite standen. Shout Out to Andy und Fabienne, die ihrer Dachbox eine Reise mit uns ermöglichen. Danke dafür. Die Umsetzung dieses Projekts ist ohne ein solches Netz nicht vorzustellen. Und genau dieses Netz lassen wir einfach hinter uns. In Zeiten des Abschiedssagens fühlt sich unser Vorhaben plötzlich komisch, ja fast falsch an. Sind wir eigentlich noch bei Trost? Finn liebt seine Grosseltern, sein Götti und seine Freundin Linda. Das nehmen wir ihm einfach weg. Selbst jetzt kommen mir wieder die Tränen wenn ich daran denke. Genau das meine ich eben mit bedingungsloser Liebe. Diese Menschen tun alles für uns damit wir unseren Traum verwirklichen können. Obwohl das bedeutet, dass sie uns ziehen lassen müssen. Welch grenzenloses Glück wir doch haben. Ich habe das Gefühl gerade weil wir aus dieser Fülle kommen, haben wir überhaupt Kapazität und Lust auf ein solches Abenteuer. Wir sprechen an dieser Stelle nochmals unseren wärmsten Dank aus an all die lieben Menschen die uns tragen und die ProjectGreece möglich gemacht haben.

Zurück zur Abreise. Carina und Ich haben abwechslungsweise Momente an denen der Berg unüberwindbar scheint. Hier kommt wieder eine Kiste mit Sachen zum Vorschein, da wieder einen Veloträger der nicht gehorchen will. Wir haben das Gefühl wir werden nie los fahren. Und eigentlich sind wir uns nur jeden Morgen am fertig machen zum Gehen und kommen abends völlig geschafft wieder nach Hause. Allesamt schöne Treffen aber auch sehr intensiv und einfach zu viele in zu kurzer Zeit. Die Kinder sind reizüberflutet und wir sind es auch. Einmal mehr ist es das Omi dass unter die Arme greift. Finn und Paula sind bestens versorgt und wir können uns ans Finish machen. Allerliebsten Dank liebe Emma. Und auch an Zdenko der zu Hause Emmas Auto von unseren Kisten befreit und den eigenen Keller füllt.

Nun ist er da der Abreisetag. Ich mache mich in aller Früh auf den Weg und baue noch die letzten Tablare in den sonst startbereiten Hörby. Danke an meinen ehemaligen Arbeitgeber, dass ich noch kurz vorbeischauen konnte. Auf dem Heimweg noch schnell beim Campingshop in Giswil vorbei um die Schlüsselzylinder für unsere zusätzliche Garagenklappe zu holen. Das Owiland wird zur Teststation fürs Gasflasche befüllen. Ganz ängstlich stelle ich den Hörby leicht schräg hin damit man nicht sieht, dass ich direkt an der Gasflasche tanke. Das ist nämlich verboten. Zapfhahn draufschrauben. Hebel durchgedrückt. Mist! Nichts passiert. Also nochmal. Irgendetwas tönt auf jeden Fall und die Flasche wird auch fühlbar kalt. Aber der Zähler zählt einfach nicht. Oh Mann, oh Mann, wenn ich jetzt reingehe kommt die Tankwartin bestimmt mit raus und sieht was ich da illegales fabriziere. Naja es hilft nichts. Da will einfach kein Gas strömen. Kurz entschlossen gehe ich rein und treffe auf eine hilfsbereite Tankwartin. Sie erklärt mir dass ich gleichzeitig den Hebel durchdrücken und diesen grünen Knopf halten muss. Als instruierter Gasbetanker kehre ich zurück. Mit dem neu gewonnen Wissen klappt es auf einmal. Stolz und erleichtert mache ich mich auf den Weg zum längst überfälligen Mittagessen. Unterdessen hat Carina den ganzen Haushalt erledigt und die verbliebenen Sachen welche noch in den Hörby sollen bereitgestellt. Nach dem Mittagessen gönnen Finn und Ich uns einen letzten Mittagschlaf vor der grossen Reise. Völlig unspektakulär fahren wir um 17:30Uhr los. Carina ist sehr emotional. Ich bin glaub einfach zu überwältigt um irgendwas zu fühlen. Froh nun endlich auf der Strasse zu sein. Weit kommen wir allerdings nicht. Warum? Das erfahrt ihr hoffentlich schon ganz bald…